Treffen

Treffen mit Künstlern und Kuratoren

Dieser Abschnitt präsentiert eine Reihe von Veranstaltungen, die den Bildenden Künsten und der Pädagogik gewidmet sind und Teil des Projekts „Cianfrusaglie. Das Bildungskonzept von Rosa und Carolina Agazzi“ sind. Es ist in das kulturelle Angebot des Museums der Kramwaren integriert und zielt darauf ab, eine zeitgenössische Reflexion über die Agazzianische Methode durch Bildungs- und Kunstmomente zu fördern.

Stefano Arienti
Ricalco [Abzeichnung]

Dialog mit Stefano Giovanazzi, Kurator beim AAC Archivio Arte Contemporanea
Vorstellung von Denis Viva, Honorarprofessor am Department für Literatur und Philosophie.

Donnerstag, 2. Oktober 2025
um 17:30 Uhr
Raum 110, Department für Literatur und Philosophie, Universität Trient
Via Tomaso Gar 14, 38122 Trient

Anlässlich von „Cianfrusaglie. Il metodo educativo di Rosa e Carolina Agazzi“ im Aula des Fachbereichs Literatur der Universität Trient fand ein öffentliches Treffen mit dem Künstler Stefano Arienti statt. Der Künstler wurde eingeladen, mit dem Kurator des Archivs für Zeitgenössische Kunst Rovereto, Stefano Giovanazzi, über Themen im Zusammenhang mit dem Verhältnis im künstlerischen Schaffensprozess zu dialogieren, wie Improvisation und Technik, Werkzeug und Mittel, Ideenfindung und Materialbearbeitung, Reflexion und Manipulation. Das Treffen wurde von Denis Viva, außerordentlicher Professor am Fachbereich Literatur und Philosophie, eingebracht.

Kram- und Kunstwerke des Künstlers Stefano Arienti.
Stefano Arienti hat eine spezielle Anordnung des Ausstellungsraums entworfen, die die Ausstellung „Kram. Die pädagogische Methode von Rosa und Carolina Agazzi“ bei der Fondazione Caritro beherbergt.
Insbesondere hat der Künstler im Rahmen von Kram die Idee gehabt, Teppiche aus Chenille herzustellen, um eine sehr persönliche Erfahrung zu vermitteln. Auf den Teppichen wurden Bilder eines Irisbeets gedruckt, ähnlich dem, das er während seiner Zeit im Kindergarten gegossen hat.
Beim Gehen auf die Teppiche, die den Ausstellungsweg einleiteten, konnte das Publikum die Bedeutung des Werks verstehen und die Erfahrung von Stefano Arienti als Kind teilen, die mit Gartenarbeit, der Pflege von Pflanzen, aber auch mit der Selbstpflege verbunden ist.
Obwohl sie zeitlich weit entfernt sind, tauchen einige Bilder kraftvoll wieder in unserem Geist auf: Wir füllen den Gießkanne, nähern uns den Pflanzen, versuchen, das Wasser nahe an die Wurzeln zu gießen und dabei den Stängel und die Blumen nicht zu beschädigen – mit der Sorgfalt, die wir aufbringen können.
Ein wesentlicher Bestandteil der Bildungs- und Erkenntnisprozesse, die Rosa Agazzi vorschlägt, ist sicherlich eine Erfahrung, die wir für immer in uns bewahren.

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Der kreative Prozess von Stefano Arienti
Durch die Verwendung einfacher Manipulationstechniken, die er bereits in der Kindheit erlernt hat, und durch die Aktivierung manchmal wiederholender linearer Prozesse verwandelt Stefano Arienti gewöhnliche Gegenstände, oft Alltagsgegenstände – wie Telefonbücher, Comics, Zugfahrpläne, Papierblätter, Poster und Plakate – in Skulpturen. Diese Werke bewahren trotz der Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit des verwendeten Materials die Fragilität und Flüchtigkeit, und sie offenbaren das Interesse des Künstlers an den kommunikativen Potenzialen, die in Bildern der Popkultur liegen. Die am häufigsten verbreiteten und erkennbaren Bilder werden so zu Anstößen für eine persönliche Neuinterpretation. Durch einfache Gesten wie das Falten von Buchseiten, das Radieren von Teilen eines Plakats, das Nachzeichnen von Silhouetten, wobei nur einige Punkte erhalten bleiben, oder das Perforieren von Linien in einer Zeichnung verändert der Künstler die unmittelbare Erkennbarkeit des Symbols.
Dies provoziert eine perceptuelle Verwirrung beim Betrachter und verringert die kommunikative Kraft des ursprünglichen Bildes. Das Verfahren, mit dem Stefano Arienti das Werk realisiert, seine einfache Handhabung sind eng verbunden mit der Art und Weise, wie das Werk gedacht und vorgestellt wurde: Schon seit langem interessiert sich der Künstler für die prozessuale Kunst, insbesondere für die Arbeit von Künstlern wie Alighiero Boetti oder Designer wie Gio Ponti. Der Künstler begegnet den radikaleren Erfahrungen des 20. Jahrhunderts – wie Futurismus, Konzeptkunst, Arte Povera und Minimalismus – mit Ironie.

Stefano Arienti
Stefano Arienti geboren im Jahr 1961 in Asola, im Mantuan, stammt er aus einer bäuerlichen Familie und verbringt seine Kindheit in einer alten Bauernkate auf dem flachen Land der Po-Ebene. Als Jugendlicher entwickelt er Interesse an wissenschaftlichen Studien und zieht Ende der siebziger Jahre nach Mailand, um die Fakultät für Agrarwissenschaften zu besuchen, wo er 1986 seinen Abschluss macht. Während seines Studiums lernt er einige junge Künstler der Mailänder Avantgarde kennen, darunter Corrado Levi, der sein erster Lehrer wird. Er beginnt seine künstlerische Laufbahn ohne akademische Ausbildung: Seine Kreativität entsteht aus Überlegungen, die von Biologie bis Kunstgeschichte reichen, von einer Faszination für die ostasiatische Kultur bis hin zur Liebe zur Natur, begleitet von einer Leidenschaft für Sammeln, die er schon als Kind entwickelt hat.
Im Jahr 1985 nimmt er an seiner ersten Gemeinschaftsausstellung teil, Muffe, bei der er mit bunten Kreiden auf den abblätternden, feuchten Wänden der ehemaligen Elektromotorenfabrik Brown Boveri im Mailänder Quartier Isola arbeitet. Bereits hier ist die Methodik des Künstlers erkennbar: Eingriffe in bereits bestehende Bilder, Objekte oder Oberflächen, um ihnen ein neues Aussehen und eine neue Bedeutung zu verleihen. Später stellt er in Ferrara und Mailand aus; dort hält er 1986 seine erste Einzelausstellung im Studio von Corrado Levi und 1989 zeigt er eine Ausstellung im Studio Guenzani: Er präsentiert die Serie der Alghe, lange und leichte Bänder aus buntem Kunststoff, die von oben herabhängen, sowie die Turbine, Skulpturen, die aus dem Falten von Zeitschriften- und Industriepapierschnitten bestehen. Bei beiden Werkgruppen liegt der Schwerpunkt sowohl auf dem prozessualen Aspekt der Entstehung der Werke als auch auf der Materialauswahl, die aus dem Alltag entlehnt ist. Boetti, Munari, Tony Cragg und Carla Accardi, Pino Pascali und Piero Gilardi sind Künstler, die den jungen Arienti stark beeinflussen.
1990 wird er zur Teilnahme an der Sektion „Aperto“ der XLIV. Biennale von Venedig eingeladen, und ab 1991 zeigt er seine Arbeiten im Centro per l’Arte Contemporanea Luigi Pecci in Prato. In diesen Jahren entstehen neue Werkserien: die Manifesti cancellati, die Libri cancellati und die Diapositive graffiate. In der Mitte der 1990er Jahre wird die internationale Anerkennung des Künstlers durch Ausstellungen in renommierten Häusern wie dem Museo Reina Sofía in Madrid bestätigt. In diesem Zeitraum beginnt Arienti mit Experimenten, die das Verhältnis zum Raum und zur Gesellschaft erforschen, wie zum Beispiel die Murazzi dalla cima, eine Intervention an einem stark frequentierten Abschnitt des Po in der Innenstadt von Turin.
1997 sind seine Werke in bedeutenden Gruppenausstellungen vertreten, wie „Pittura Italiana“ im Castello di Rivoli und „Fatto in Italia“ im Centre d’Art Contemporain in Genf. Außerdem wird eine erste Monografie über den Künstler von der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo veröffentlicht.
2004 widmet das MAXXI, Museo delle Arti del XXI. Jahrhundert in Rom, in Zusammenarbeit mit der Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, dem Künstler die erste große öffentliche Einzelausstellung. Im selben Jahr wird Arienti Artist in Residence im Isabella Stewart Gardner Museum in Boston, einer renommierten Institution, deren Sammlung von dekorativer Kunst und ostasiatischer Kunst ihn zu neuen Inspirationen anregt. 2007 erhält er eine weitere bedeutende Residenz im Rahmen des Artist-in-Residence-Programms bei Artpace in San Antonio, Texas. Derzeit sind die Arbeiten im Zusammenhang mit der Technik des Durchbohrens, durchgeführt mit einer kleinen Bohrmaschine, von verschiedenen Materialien, die größtenteils aus dem Alltag stammen, im Gange. Diese reichen von Autotüren bis hin zu Schallplatten, Makramé, die die zarten Effekte der gleichnamigen Spitzen auf ungewöhnlichen Trägermaterialien wie Onyx oder Marmor zeigen, sowie zerschnittene Bücher. In den letzten Jahren hat sich der Künstler auch an groß angelegte Installationen mit starker Suggestion gewagt, wie zum Beispiel die als „Enzyklopädie“ bezeichnete, die 2009 mit Büchern und gekämmter Wolle im Komplex von Santo Spirito in Sassia in Rom eingerichtet wurde. Ende 2009 wurden viele seiner Werke in einer persönlichen Ausstellung im Palazzo Ducale in Mantua gezeigt. Stefano Arienti hat an der Accademia di Belle Arti di Bergamo unterrichtet und ist seit 2003 Dozent an der Fakultät für Design und Kunst an der IUAV-Universität in Venedig.

Stefano Giovanazzi
(Rovereto TN, 4. März 1961). Gründer und Kurator des AAC Archivio Arte Contemporanea di Rovereto. Absolvent des Lehrerseminars in Rovereto (TN) und anschließend des Staatlichen Kunstinstituts in Trento, besucht er in den frühen 80er Jahren die Accademia di Belle Arti in Venedig, wo er sein Diplom in Malerei bei dem Künstler Emilio Vedova erhält. Seit 1994 ist er Präsident des Kulturvereins Numero Civico. Über mehr als drei Jahrzehnte hat er Veranstaltungen im Zusammenhang mit zeitgenössischer Kunst und Gedankenführung kuratiert, wobei die Zusammenarbeit mit Künstlern, Musikern und Schriftstellern, Museen und kulturellen Institutionen, Regierungen und Regierungsstellen hervorzuheben ist: Italienischer Senat, Ministerium für Kulturgüter und Aktivitäten, Kanadische Botschaft, Gobierno Vasco – Baskische Regierung (Spanien), Instituto Cervantes (Spanien), The British Council (Großbritannien), Französisches Kulturministerium, Institut Français (Frankreich), Goethe-Institut (Deutschland).

Denis Viva
Assoziierter Professor, Department für Geisteswissenschaften, Universität Trient Mitglied der Graduiertenschule für Europäische Kulturen, Department für Geisteswissenschaften, Universität Trient Mitglied des Ausschusses für Offene Wissenschaft, Universität Trient Herausgeber von Palinsesti. On-line-Zeitschrift für zeitgenössische italienische Kunst, veröffentlicht von TESEO – Universität Trient. https://teseo.unitn.it/palinsesti Mitglied des Internationalen Netzwerks für Forschungs- und Ausbildung in Kunstgeschichte, Réseau International pour la Formation à la Recherche en Histoire de l’Art. https://www.proartibus.org/membres Mitglied des Kuratoriums der Stiftung – VAF-Stiftung. Projekte. Oktober 2023 – Oktober 2025 Border Art(E)scapes. Verantwortlicher der Forschungsgruppe, die die Forschungsgruppe der Universität Trient koordiniert. Hauptforscher (PI). Prof. Giorgio Bacci (Universität Florenz); weitere Mitglieder: Prof. Chiara Brambilla (Universität Bergamo), Prof. Valentina Porcellana (Universität Aosta), Prof. Caterina Toschi (Universität für ausländische Studierende Siena). Juni 2023 XXI École de printemps – RIFHA Organisation der XXI École de printemps „Kunst und Wissenschaft. Materialität und Medialität“, Universität Trient. Herausgegeben von Denis Ribouillault, Eva Struhal und Denis Viva. Oktober 2022 – Dezember 2024 Officina Espositiva. Hauptforschungsprojekt im Rahmen des dreijährigen Plans des Departments für Geisteswissenschaften, Universität Trient. April 2020 – August 2022 Die Kunstgeschichte in den Oberstufenschulen. Hauptforschungsprojekt unterstützt vom CeASUM, Universität Trient. Seminare und Workshops zum Kunstgeschichtsunterricht in Oberstufenschulen. 2018-2019 VARIA. Mitarbeiter für die Region Trentino-Alto Adige, Bestandsaufnahme der Videearchive in Italien für die Web-Datenbank https://varia.cultura.gov.it/ 19. April 2013 – 18. April 2016 CAPTI. Forscher im Projekt einer Forschungsgruppe, gefördert durch das „FIRB 2012“-Stipendium des Ministeriums für Bildung, Universitäten und Forschung. „Verbreitung der visuellen Kultur: zeitgenössische Kunst durch Zeitschriften, Archive und Illustrationen“: Das Projekt konzentrierte sich auf die Geschichte und Entwicklung italienischer Kunstzeitschriften nach 1945 bis 1980, durch Publikationen, Konferenzen und die Digitalisierung dieser Zeitschriften in einer Web-Datenbank www.capti.it.
: Treffen

Chiara Bettazzi, Künstlerin
Wonder Objects

Dialog mit Stefano Riba, Dozent für Zeitgenössische Kunstgeschichte und Kurator bei Foto Forum Bozen, und Stefano Giovanazzi, Kurator des aac Archiv für zeitgenössische Kunst.


Dienstag, 7. Oktober 2025
um 17:00 Uhr
Aula Colonna
Fondazione Caritro Trento
via Garibaldi

Inhalte des Treffens
Der Austausch mit der Künstlerin Chiara Bettazzi und Stefano Riba, Kurator bei Foto Forum, bietet die Gelegenheit zu überprüfen, wie einige Institutionen, aber auch Verbände und Künstler im Gebiet der Region Trentino-Alto Adige jene Sensibilität und Aufmerksamkeit für die Welt, die typisch für das Agazzianische Denken sind, aktuell umsetzen. Wie Stefano Riba erklärt: „Ausgehend vom Interesse Bettazzis an Alltagsgegenständen haben wir die Künstlerin eingeladen, mit der Sammlung von Hartmut Prünster zu arbeiten, Mitbegründer des Foto Forum und leidenschaftlicher Sammler von ‚Krimskrams‘. Bettazzi wird im Archiv von Prünster – das in einem Raum neben der Galerie aufbewahrt wird, die für die Ausstellungen des Vereins genutzt wird – recherchieren und, wie sie es praktiziert, Assemblagen aus Gegenständen erstellen, um neue Bedeutungswege zu entwickeln, neue logische und semantische Verbindungen zu schaffen. Die Praxis der Künstlerin weist beträchtliche Ähnlichkeiten mit der pädagogischen Methode der Schwestern Agazzi auf: Die Beiträge der Künstlerin und der Kuratoren der Ausstellung, die im Dezember 2025 bei Foto Forum stattfinden wird, sind besonders relevant für die im Projekt ‚Krimskrams. Die Bildungmethode von Rosa und Carolina Agazzi‘ vorgeschlagenen Themen, da sie die Komplexität der erfahrungs- und bildungsbezogenen Prozesse betreffen, die die soziale Struktur formen, in die wir eingebettet sind.

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Chiara Bettazzi, Biografie
Chiara Bettazzi lebt und arbeitet in Prato. Künstlerin und Gründerin des Raums Ex Industriale in der Via Genova; seit Jahren beschäftigt sie sich mit den zeitgenössischen Sprachen im industriellen Landschaftsraum des Gebiets um Prato. Schon immer daran interessiert, Sensibilisierungsprozesse und die Rückeroberung von verlassenen Räumen zu initiieren, widmet sie sich kontinuierlich ihrer künstlerischen Forschung, fördert die zeitgenössische Kunst und knüpft zahlreiche Verbindungen mit Künstlern, Musikern und unabhängigen Räumen in der Region. Im Jahr 2005 eröffnet sie ihr Studio SC17 (www.sc17.it), indem sie das Gebiet des ehemaligen Bini-Wollmühle wieder aktiviert. Ihre gesamte Arbeit, die ständig im Kontakt mit Industrieruinen steht, ist tief mit einer Reflexion über Alltagsgegenstände verbunden. Ihr Vorgehen bewegt sich auf der feinen, pathologischen Linie der zeitgenössischen Gesellschaft, die einerseits auf Wegwerfmentalität ausgerichtet ist und andererseits von der zwanghaften Anhäufung zweifelhafter Gegenstände geprägt ist. Seit Jahren widmet sie sich der künstlerischen Leitung verschiedener Projekte der zeitgenössischen Kultur und transformiert SC17 zu einem Forschungsprojekt über das Gebiet, mit dem sie Kooperationen mit verschiedenen Fachleuten schafft. Seit 2015 ins Leben gerufen, ist das Projekt TAI – Tuscan Art Industry (www.tuscanartindustry.com), ein zeitgenössisches Labor, das ein neues Konzept der produktiven Umwandlung innerhalb der ehemaligen toskanischen Industrien entwickelt. Seit 2016 koordiniert sie das ständig aktive Labor der Industrial Heritage Map, eine Kartierung und Archivierung des industriellen Erbes der Stadt Prato und des Gebiets Val di Bisenzio. Ihre Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, darunter: Castello di Ama Siena, Museo di Santa Maria della Scala Siena, Collezione Farnesina Rom, Casa Masaccio Centro per l’arte contemporanea San Giovanni Valdarno.

Ausstellung von Chiara Bettazzi bei Foto Forum
Ausgehend von Bettazzis Interesse an Alltagsgegenständen wurde die Künstlerin eingeladen, mit der Sammlung von Hartmut Prünster zu arbeiten, Mitbegründer von Foto Forum und leidenschaftlicher Sammler von „Schnickschnack“.
Bettazzi wird im Archiv von Prünster „fischen“ – das in einem angrenzenden Raum zur Galerie der Vereinigung aufbewahrt wird – und, wie es ihre Praxis ist, Anordnungen von Gegenständen erstellen, die sie mit Resin versiegelt, um neue logische und semantische Verbindungen zu schaffen. Die Praxis der Künstlerin weist große Ähnlichkeiten mit der pädagogischen Methode der Schwestern Agazzi auf, weshalb der Beitrag der Künstlerin und der Kuratoren der Foto Forum-Ausstellung im Rahmen der Begleitveranstaltungen des Projekts „Cianfrusaglie. Il metodo educativo di Rosa e Carolina Agazzi“ bedeutend sein könnte.

Foto Forum
Foto Forum ist eine Plattform, die der Fotografie gewidmet ist und Ausstellungen, Veranstaltungen, Talks, Workshops, Labore und Fotobücher realisiert. Gegründet im Jahr 1994 in Bozen, zeigt das Ausstellungsprogramm der Galerie Werke nationaler und internationaler Fotografen, sowohl aufstrebende als auch etablierte, aus verschiedenen Genres: künstlerische, dokumentarische und konzeptuelle Fotografie. In den letzten Jahren hat sich die Tätigkeit des Vereins mit einer didaktischen und erfahrungsorientierten Sektion erweitert, um die Fotografie auf neue Ebenen zu fördern und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Wir halten es für besonders wichtig, den Nachwuchs zu fördern. Wir betrachten die Fotografie als Teil der Gesellschaft, mit der die Fotografen interagieren und die sie mit verschiedenen Sprachen der Komplexität der Realität verarbeiten. Die Galerie ist ein offener Raum, ein Treffpunkt, ein Ort der Information und des Austauschs für Menschen, die an Fotografie und visueller Kultur interessiert sind. Das künstlerische Kuratorium besteht aus Sabine Gamper, Quirin Prünster, Stefano Riba, Anni Seligman, Martino Stelzer und Gunther Waibl.

Stefano Riba, Biografie
Stefano Riba hat im Jahr 2002 begonnen, mit Kunst zu arbeiten, zunächst als Techniker und Installateur. Damals war er bei der physischen Einrichtung und Demontage von Ausstellungen in Galerien und Museen tätig, während er gleichzeitig Forschungsarbeiten für seine Bachelor- und Masterarbeit in Ästhetik durchführte. Diese mentale und physische Einstellung gegenüber der künstlerischen Praxis hat ihn nie verlassen. Heute ist Stefano Riba Kurator, aber auch professioneller Installateur; er ist Schriftsteller, aber auch Assistenzkünstler; Riba ist Galerist, aber auch Handwerker. Im letzten Jahrzehnt hat er bei/mit folgenden Institutionen gearbeitet: Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Museum Ludwig Köln, Fondazione Merz, Castello di Rivoli, Museion, Ar/Ge Kunst, Hangar Bicocca, Manifesta 9 Genk, Biennale di Venezia, Galleria Giorgio Persano, Galleria Michela Rizzo, Galeria Marso. Er hat Artikel und Rezensionen für Flash Art, Alias, Il Manifesto, Artribune geschrieben. Im Jahr 2012 war Stefano Riba Mitbegründer von PrintAboutMe Micro-Press, einem unabhängigen Verlag, und im selben Jahr gründete er VAN DER, eine Art kommerzielle Galerie. Seit 2014 kuratiert er Passi Erratici, eine jährliche Ausstellung über Kunst und Bergsteigen, die jeden Juli im Museo Nazionale della Montagna in Turin stattfindet. Stefano Riba lebt zwischen Turin und Bozen. Seit Oktober 2016 ist Stefano Riba Lehrbeauftragter für Ausstellungsgestaltung und Studioassistent am STUDIO EXHIBIT im Rahmen des Bachelor-Studiums Kunst an der Fakultät für Design und Künste der Freien Universität Bozen.: Treffen


Francesca Verga
Marc Camille Chaimowicz. Here and There…

Dialog zwischen Francesca Verga, Kuratorin bei Ar/Ge Kunst, Bozen, Stefano Giovanazzi, Kurator, Stefano Riba, Kurator, Dozent.

Dienstag, 7. Oktober 2025
18:00 Uhr
Aula Colonna
Fondazione Caritro Trento
via Garibaldi


Inhalt des Treffens
Der Vortrag basiert auf der künstlerischen Praxis von Marc Camille Chaimowicz (1947–2024), einem polnisch-französischen Künstler. Inspiriert auch vom Beruf seiner Mutter, Marie Tailhardat, einer Schneiderin, liebte er es, verschiedene Materialien in seiner künstlerischen Arbeit zu verbinden. Sein Ziel war die Schaffung eines Bühnenraums mit einer intimen, häuslichen Sensibilität, in dem künstlerische Elemente mit Alltagsgegenständen wie Möbeln, Souvenirs, Krimskrams, gezeichneten Materialien und anderen gefundenen Produkten koexistieren konnten. Er liebte es, „Einkäufe“ zu machen, sagte er, zwischen diesen beiden Welten: Leben und Kunst, Kunst und Leben.

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Francesca Verga, Biografie
Francesca Verga ist Co-Leiterin der künstlerischen Leitung von Ar/Ge Kunst, dem Kunstverein in Bozen, und beschäftigt sich mit Kuratierung, Schreiben, Management und Forschung in der zeitgenössischen Kunst. Sie war Assistenzkuratorin der italienischen Pavillons bei der 60. Internationalen Kunstmesse – La Biennale di Venezia (2024). Sie hat einen Doktortitel vom Fachbereich Kunst und Kultur der Universität Amsterdam (2022). Außerdem war sie Koordinatorin für Kuratierung bei der Manifesta 13 (Marsell, 2020) und Generalkoordinatorin der Manifesta 12 (Palermo, 2018).

AR/GE KUNST
Ar/Ge Kunst, Kunstverein Bozen, wurde 1985 in den Räumen in der Via Museo 29 gegründet. Der Name Ar/Ge Kunst leitet sich von der Abkürzung Arbeitsgemeinschaft ab, um das Ziel zu verdeutlichen, einen Gedanken an kollektives Arbeiten zu fördern, und verweist auch auf etwas Unbequemes und Unerwartetes (vom deutschen Wort arge). Das Ziel ist es, den Kunstverein als eine Plattform für Forschung und Produktion im Bereich der zeitgenössischen Kunst zu verstehen, in der jede neue Produktion innerhalb einer Arbeitsgruppe entsteht, die aus verschiedenen Bereichen stammt, um soziale, rechtliche und künstlerische Fragen zu reflektieren.


Carlo La Manna und Giuseppe Calliari
„Die Musik der Dinge“

Video-Erfahrungsberichte über expressive Experimente mit Carlo La Manna, Kontrabassist, Erzähler und Komponist, und Giuseppe Calliari, Musikhistoriker, Kurator, Schriftsteller und Dichter.

Samstag, 25. Oktober 2025

11:00 Uhr
Konferenzraum
Fondazione Caritro Trento
via Garibaldi

Biografie
CARLO LA MANNA
Kontrabassist, Erzähler und Komponist aus Trentino, verbindet Jazz, zeitgenössische Musik und Klangforschung. Zusammenarbeit mit Arvo Pärt, Philip Glass, Antonella Ruggiero, Giovanni Sollima, Marco Ambrosini und Daniele Di Bonaventura. Über zwanzig Tonträgerproduktionen, darunter Te Audire (2025), ein Projekt, das Musik, Vision und Spiritualität vereint.

GIUSEPPE CALLIARI
Autor von Monografien – Ferruccio Busoni (2011), Laurence Feininger (2022) – sowie Beiträge zu Mozart, Zandonai, Dionisi. Herausgeberschaft der Schriften zur Musik von Andrea Mascagni (1998) und kritischer Biografien von Musikern aus Trentino. Texte für Komponisten – Lyrik für Kammermusik, Choralwerke, musikalische Theaterstücke – sowie Projekte, die Musik und Literatur verknüpfen.


Stefano Giovanazzi
Die Spieltheorie. Imaginär, symbolisch und real

Dialog zwischen Stefano Giovanazzi, Kurator des AAC Archivio Arte Contemporanea Rovereto, und dem Publikum von Cianfrusaglie

Samstag, 25. Oktober 2025

17:00 Uhr
Konferenzraum
Fondazione Caritro Trento
via Garibaldi

Inhalt des Treffens
Die Spieltheorie ist ein zentraler Punkt bei der Beschreibung individueller und kollektiver Dynamiken; die Sprache, so liebenswert sie auch für Rosa Agazzi ist, und ihr Gebrauch markieren einen Wendepunkt in der menschlichen Erfahrung: die Pflege des Selbst und die gegenseitige Hilfe finden Trost im Denken, in Worten und Handlungen. Das Treffen behandelt die Frage der Komplexität des Lebens, die charakteristisch für die „Bildung“ jeder Person ist. Die Sprache, das wissen wir, ist ein ebenso komplexes Organismus. Woher sie stammt und wie sie sich entfaltet, bleibt ein Diskussionsfeld. Wir begegnen ihr oft in Form von Äußerungen verschiedenster Art: von Vorschriften – Befehle, Anweisungen, Empfehlungen, Fragen, Gebete, Bitten usw. – aber auch in Form von Fragen, Versprechen, literarischen und künstlerischen Beschreibungen, nur um einige zu nennen. Wie Jean-François Lyotard uns erinnert: «Jede Äußerung muss als ein “Zug” im Rahmen eines Spiels betrachtet werden.»

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Stefano Giovanazzi
Stefano Giovanazzi (Rovereto TN, 4. März 1961). Er absolvierte das Magistral-Institut in Rovereto (TN) und anschließend das Staatliche Kunstinstitut in Trento. Anfang der 1980er Jahre besuchte er die Akademie der Bildenden Künste in Venedig, wo er in Malerei bei dem Künstler Emilio Vedova abschloss. Gründer und Kurator des AAC (Contemporary Art Archive) in Rovereto, ist er seit 1994 Präsident der Kulturvereinigung Numero Civico. Über mehr als thirty Jahre Tätigkeit hat er Ausstellungen im Bereich der zeitgenössischen Kunst und des Denkens kuratiert, und bedeutende Kooperationen umfassen: Regierungen und staatliche Institutionen wie den italienischen Senat, das Ministerium für Kulturerbe und Aktivitäten, die Kanadische Botschaft, die Baskische Regierung (Spanien), das Cervantes-Institut (Spanien), den British Council (Vereinigtes Königreich), das französische Kulturministerium, das Französische Institut (Frankreich) und das Goethe-Institut (Deutschland).

AAC Archivio Arte Contemporanea
Die Materialien der Ausstellung stammen aus dem Archivio Arte Contemporanea, einem Depot von Objekten und Ideen, das die Erfahrungen einer der ausdrucksstärksten Denkschulen der zeitgenössischen Kunst zusammenfasst. Das Archiv wurde 1980 von Stefano Giovanazzi ins Leben gerufen und hat im Laufe der Jahre 180.000 Dokumente gesammelt und bewahrt – Kunstwerke, Künstlerbücher, Monografien und Zeitschriften, Tonaufnahmen, Videos, Ephemera, Plakate und Fotografien – Zeugnisse von Begegnungen mit den Protagonisten der zeitgenössischen Kunst sowie einigen der bedeutendsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen philosophischen und literarischen Reflexionen. Von den Anfängen in Venedig aus haben die Akquisitionen beschleunigt. Heute fördert das Archiv die innovativsten Erfahrungen der zeitgenössischen Kunst durch Leihgaben und betreut Projekte in Zusammenarbeit mit Akademien, Museen, Stiftungen und anderen Institutionen. Die Dokumentensuche konzentriert sich insbesondere auf die ‘Bewegungen’: Futurismus, Dadaismus, Informel, Neodada, Pop Art, Optical Art und Kunstkinetik, Konzeptkunst und Minimal Art, Arte Povera, Transavanguardia, Neue Neue; Situazionismo und Studentenbewegung (’68, ’77), Utopismus und Science-Fiction, Feminismus.

Numero Civico
Der Kulturverein Numero Civico fördert die zeitgenössischen Künste und das Denken durch eine Reihe täglicher Praktiken, die darauf abzielen, deren Teilen, Produktion, Verwaltung und Bewahrung zu fördern; erleichtert die Beziehungen zwischen Künstlern, bestehenden Kulturinstitutionen, Sammlern und dem Publikum; beteiligt sich an der Konzeption, Programmplanung und Organisation kultureller und ausstellungsbezogener Veranstaltungen.
Gegründet in Rovereto im Jahr 1994, hat Numero Civico seit Beginn seiner Tätigkeit mit zahlreichen bedeutenden nationalen und internationalen Institutionen zusammengearbeitet.
Museen und Zentren: Zentrum für Zeitgenössische Kunst „L. Pecci“, Prato, MART Museum für Moderne und Zeitgenössische Kunst von Trient und Rovereto, Trient und Rovereto TN, La Biennale di Venezia, Venedig, Galleria Civica di Arte Contemporanea, Trient, ICA Institut für Zeitgenössische Kunst, London, Museo Tridentino di Scienze Naturali, Trient, MUSE, Museo Castello del Buonconsiglio, Trient.
Stiftungen: La Biennale di Venezia, Fondazione Archivio Boetti, Fondazione Fiumara d’Arte, Fondazione Il giardino di Daniel Spoerri, Fondazione Accorsi, Fondazione Achille Marazza, Fondazione Antonio Ratti, Fondazione Arnaldo Pomodoro, Fondazione Tito Balestra, Fondazione Bandera per l’Arte, Fondazione Baruchello, Fondazione Bevilacqua La Masa, Fondazione Cargaleiro, Fondazione dell’Ordine degli Architetti, Fondazione delle Stelline, Fondazione Alta Cultura Orestiadi, Fondazione Roberto Longhi, Fondazione Italiana per la Fotografia, Fondazione Lanfranco Baldi, Fondazione Luciana Matalon, Fondazione Lucio Fontana, Fondazione Magnani Rocca, Fondazione Mazzullo, Fondazione Mudima, Fondazione Morra, Fondazione Nicola Trussardi, Fondazione Palazzo Albizzini-Burri, Fondazione Palazzo Bricherasio, Fondazione Pistoletto, Fondazione Prada, Fondazione Sandretto Re Rebaudengo, Fondazione Scientifica Querini Stampalia, Fondazione Southeritage, Fondazione Teseco, Fondazione Zappettini, Kunst Merano Arte, FAI Fondo Ambiente Italiano, Palazzo della Permanente, La Casabianca Malo, Fattoria di Celle-Collezione Gori.
Galerien und Kulturvereine: CRAM, Mezzocorona (TN), Galleria Mazzoli, Modena, Galleria Massimo Minini, Brescia, Studio Guenzani, Mailand, Galleria Continua, San Gimignano (SI), Antonio Colombo Gallery, Mailand, Molto Multimedia Gallery, Mailand, C/O, Mailand, Kunstforum, Meran BZ, Artforum, Meran BZ, Arge-Kunst, Bozen, Foto Forum, Bozen, Galleria Marabini, Bologna, Galerie Thoman, Innsbruck [A], Galleria Il Castello, Trient, Galleria Improvvisazione Prima, Trient, Interzona, Verona, Galleria Neon, Bologna, Galleria Fabbrica Eos, Mailand, Mairania857, Meran (BZ), Veragouth Arte Contemporanea, Lugano [CH], associazione VIAINDUSTRIAE, Foligno, Werkbank, Lana (BZ), Ziggurat, Trient. Regierungen und staatliche Institutionen: Senat der Italienischen Republik, Das Kulturministerium, Canadian Embassy, Gobierno Vasco-Government Basque (Spanien), Instituto Cervantes di Cultura (Spanien), The British Council (Großbritannien), Kulturministerium Frankreichs, Institut Français (Frankreich), Goethe-Institut (Deutschland).
Enti ed altre istituzioni: Universität Trient, Bezirksamt Treptow von Berlin, Bezirksamt Berlin, Geigenbauschule „Antonio Stradivari“ Cremona, Kunstschule „F. Depero“ Rovereto TN, Tourismusförderungsagentur Rovereto und Vallagarina, Tourismusförderungsagentur Trient, Vallagarina-Gemeinschaft, BIM des Etsch-Tals, Verband der Handwerker und Kleinunternehmen der Provinz Trient. Regionen und Provinzen: Region Trentino-Alto Adige/Südtirol, Autonome Provinz Trient, Autonome Provinz Bozen. Kommunalverwaltungen: Gemeinde Ala TN, Gemeinde Besenello TN, Gemeinde Bozen, Gemeinde Borgo Valsugana TN, Gemeinde Brentonico TN, Gemeinde Calliano TN, Gemeinde Foligno PG, Gemeinde Isera TN, Gemeinde Mori TN, Gemeinde Meran BZ, Gemeinde Venedig, Gemeinde Trient, Gemeinde Rovereto TN, Gemeinde Ronzo-Chienis TN, Gemeinde Ruffrè TN, Gemeinde Villa Lagarina TN, Gemeinde Volano TN.



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